| Fetale
Echokardiografie
Was ist fetale Echokardiografie?
Bei der fetalen Echocardiografie wird über
eine Kombination von B-Bild-Sonografie (konventioneller Ultraschall),
Farbdopplerdarstellung der zuführenden und abführenden Gefäße
des Herzens, ggf. dreidimensionaler Sonografie eine Darstellung des Herzens
und eine Überprüfung der Funktion möglich. So können
mögliche Fehlentwicklungen ("Herzfehler") diagnostiziert
werden. Die Untersuchung setzt eine hohe Qualifikation, Trainingszustand
und Erfahrung voraus. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Qualität
des Ultraschallsystems. Das Kind und das Herz sind ständig in Bewegung,
sodass das Erfassen kleiner Strukturen häufig sehr schwierig ist.
Die Echocardiografie stößt aus diesen Gründen, z.B. bei
einem sehr kleinen Loch in der Herzscheidewand, an ihre Grenzen.
Wie häufig sind Herzfehler?
Herz- und Gefäßanomalien gehören
zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen und bedürfen in
mehr als der Hälfte der Fälle einer operativen Behandlung im
Neugeborenenalter. Jährlich werden etwa 6000-8000 Kinder in Deutschland
mit einem Herzfehler geboren. Die Inzidenz wird mit 0,5 bis 1 Prozent
bei allen Neugeborenen angegeben (1) [Literatur:
Quellenangaben am Ende der Seite].
Die vorgeburtliche Ultraschalldiagnostik erlaubt
nicht nur eine frühzeitige Herzfehlerklassifikation, sondern trägt
zu einer Optimierung sowohl der perinatalen, kinderkardiologischen und
herzchirurgischen Elternberatung als auch der Geburts- und Therapieplanung
bei. Durch die sich ständig weiterentwickelnden Therapiemöglichkeiten
in den letzten Jahrzehnten wurde die Überlebensrate für diese
Patienten immer größer, sodaß heute fast 90% das Erwachsenenalter
erreichen (2). Angeborene Herzfehler beziehungsweise
kardiovasculäre Fehlbildungen sind verantwortlich für 20% der
durch Missbildungen bedingten perinatalen Todesfälle und im weiteren
für über 50% der missbildungsbedingten Todesfälle in der
Kindheit (3) (4) (5). Die Weiterentwicklung
in der fetalen Echocardiografie erlaubt heute die Diagnose eines konnatalen
Herzfehlers sehr häufig schon in der ersten Schwangerschaftshälfte.
Wann findet die fetale Echokardiografie statt?
Eine detaillierte Untersuchung des fetalen Herzens,
seiner Funktion und der Blutflüsse findet zwischen SSW 19+0-20+6
statt (in Ausnahmefällen kann diese Untersuchung bereits in der 14.
SSW bei guten Untersuchungsbedingungen durchgeführt werden). Sie
ist Bestandteil des weiterführenden Organscreenings. Ein Teil der
Herzfehlbildungen kann bereits zwischen 13. und 14. SSW erkannt werden,
hierunter auch besonders schwerwiegende Anomalien.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko angeborener
Herzfehler ?
· Familiäre Faktoren: familiäre
Belastung mit Herzfehlern
· Mütterliche Faktoren:
- z.B. Stoffwechselstörungen
wie Phenylketonurie oder Diabetes mellitus Typ I
- Medikamente (z.B.: Vitamin-A-Säure,
Lithium, Antiepileptika,
Dicoumarine)
- Drogen (z.B. Alkohol,
Kokain)
- Virale Infektionen (z.B.: Rubella, Coxsackie,
Zytomegalie)
· Fetale Faktoren:
- Extrakardiale Fehlbildungen und Chromosomenanomalien,
Neumutationen
- nicht immuner Hydrops
Treten angeborene Herzfehler auch in Schwangerschaften
ohne erkennbar erhöhtes Risiko auf ?
Nur bei ungefähr 10 bis 30 Prozent der Feten mit Herzfehlern sind
spezifische Ursachen (z.B.: Familiäres Risiko, Fruchtschädigende
Medikamente in der Frühschwangerschaft, mütterliche Erkrankungen,
(molekulargenetisch-) nachweisbare Neumutationen) erkennbar.
(6)(7)(8)(9)(10)(11)(12) [Literatur]
Die meisten angeborenen Herzfehler werden bei Schwangerschaften
ohne
erhöhtes Risiko beobachtet. Die fetale Echocardiografie ist auch
besonders zu empfehlen bei Schwangerschaften in denen eine vergrößerte
Nackentransparenz (11-13 SSW) festgestellt wurde.
Was wird bei der Echokardiografie beurteilt?
Schwarz-Weiß-Darstellung:
- Lage, Größe und Symmetrie des Herzens
- Anatomie der Herzkammern (zeitgerechte Entwicklung)
- Funktion der Herzklappen
- Schlagfrequenz des Herzens (Ausschluss Rhythmusstörung)
- Lage der großen arteriellen und venösen
Gefäße
Anhand der farbkodierten Dopplersonographie können
werden weitere
Details des Herzens beurteilt werden:
- Funktion der Herzkammern
- Herzscheidewände
- Blutflüsse im Herzen (gemäß ihrer
Richtung und Geschwindigkeit)
- Blutflüsse in den großen arteriellen
und venösen Gefäßen (gemäß ihrer Richtung
und Geschwindigkeit)
Welche Konsequenz kann diese Untersuchung für
mich haben?
Sollte sich bei der fetalen Echokardiografie ein
auffälliger Befund
zeigen, biete ich Ihnen in Kooperation mit Ihrem überweisenden Facharzt
die Organisation der Betreuung durch einen Spezialisten
(Kinderkardiologen, Herzzentrum, Humangenetik) an.
- Eine qualifizierte Elternberatung durch
einen Kinderkardiologen,
gegebenenfalls durch einen Herzchirurgen verbessert die Geburts-und
Therapieplanung.
- 6-10% aller kongenitalen Herzfehler sind
mit Anomalien anderer
Organsysteme und numerischen und strukturellen Chromosomenstörungen
assoziiert. Bei einem auffälligen Untersuchungsbefund des kindlichen
Herzens kann den Eltern die Untersuchung des kindlichen Erbgutes angeboten
werden.
- Bei einem auffälligen Untersuchungsbefund
des kindlichen Herzens wird daher den Eltern eine Untersuchung des kindlichen
Erbgutes angeboten, um die Einschätzung der Prognose zu erleichtern.
- Selbsthilfegruppen können eine wichtige
Unterstützung für Eltern und Kinder darstellen. Gerne vermitteln
wir Ihnen den Kontakt, wenn Sie dies wünschen.
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Literatur:
(1) Meyer-Wittkopf et al. In-utero-Diagnose und -Therapie
angeborener
Herzfehler: Grenzen und Möglichkeiten Deutsches Ärzteblatt 100,
Ausgabe 50 vom 12.12.2003, Seite A-3308 / B-2752 / C-2572
(2) Kompetenznetz „angeborene Herzfehler“, Prof. Hense,
Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Münster.
(3) Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. (BVHK) 1999/2000
(4) Gembruch U, Chaoui R: Möglichkeiten und Grenzen eines
Screeningprogramms. Gynäkologe 1997; 30: 191–199.
(5) Meyer-Wittkopf M, Hofbeck M: Pränatale Herzdiagnostik mittels
zwei-
und dreidimensionaler Fetalechokardiographie. Herz 2003; 28:
240–249
(6) Friedman AH, Kleinman CS, Copel JA: Diagnosis of cardiac defects:
where we've been, where we are and where we're going. Prenat Diagn 2002;
22: 280–184
(7) Gardiner HM: Fetal echocardiography: 20 years of progress. Heart
2001; 86 (Suppl. 2): II12–22. (Review)
(8) Gembruch U, Chaoui R: Möglichkeiten und Grenzen eines
Screeningprogramms. Gynäkologe 1997; 30: 191–199.
(9) Goldmuntz E, Bamford R, Karkera JD, dela Cruz J, Roessler E, Muenke
M: CFC1 mutations in patients with transposition of the great arteries
and double-outlet right Ventricle. Am J Hum Genet 2002; 70:
776–780
(10) Mennicke K, Schwinger E: Genetische Aspekte kongenitaler fetaler
Herzerkrankungen. Gynäkologe 1997; 30: 181–189
(11) Meyer-Wittkopf M, Hofbeck M: Pränatale Herzdiagnostik mittels
zwei-
und dreidimensionaler Fetalechokardiographie. Herz 2003; 28:
240–249.
(12) Meyer-Wittkopf M: Interventional fetal cardiac therapy –
possible perspectives and current shortcomings. Ultrasound Obstet
Gynecol 2002; 20: 527–531.
(13) Tennstedt C, Chaoui R, Koerner H, Dietel M: Spectrum of congenital
heart defects and extracardiac malformations associated with chromosomal
abnormalities: results of a seven year necropsy study. Heart 1999; 82:
3439
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